Manufacturing Trends 2026

07 Januar 2026

Die Manufacturing-Industrie steht 2026 vor einem strukturellen Wendepunkt. Die digitale Transformation der Fertigung geht über Pilotprojekte hinaus und wird Teil des operativen Alltags. Künstliche Intelligenz verlässt die Demo-Ecke und greift in Produktionsabläufe ein. Planung wird szenariogesteuert und zunehmend auf Auftragsebene entschieden. Daten erhalten eine einheitliche Semantik, Security folgt klaren Leitplanken – und Nachhaltigkeit wird Bestandteil der operativen Steuerung.

Fünf Entwicklungen, die die Fertigung wirklich verändern

Die folgenden fünf Manufacturing Trends 2026 zeigen, was sich konkret in der Fertigung verändert – und wie sich diese Entwicklungen pragmatisch in einer SAP-basierten Manufacturing-Landschaft umsetzen lassen.

1) Agentische KI im Manufacturing: von Assistenz zur Betriebsroutine

Künstliche Intelligenz entwickelt sich 2026 von punktueller Unterstützung zu agentischen, teilautonomen Abläufen in der Fertigung. KI-Systeme erkennen Abweichungen, stoßen Neuplanungen an oder initiieren qualitätsbasierte Nacharbeit. Der Mensch bleibt dabei bewusst Human in the Loop – insbesondere bei sicherheits- und qualitätskritischen Entscheidungen.

Voraussetzung ist ein belastbares Shopfloor-Datenfundament. Erst wenn Kennzahlen wie OEE, Stillstände, Ausschuss, Bestände und Prozesszeiten transparent verfügbar sind, entfaltet KI im Manufacturing ihren operativen Mehrwert. Darauf aufbauend kommen ML-basierte Szenarien für vorausschauende Qualität und Wartung zum Einsatz, deren Ergebnisse direkt in die Auftrags- und Ressourcensteuerung zurückspielen.

SAP-Verankerung:
SAP Digital Manufacturing trennt klar zwischen Ausführung (DMe) und Insights (DMi). Diese Architektur ermöglicht es, zunächst stabile Produktions- und KPI-Transparenz aufzubauen und KI schrittweise in die Produktionsroutine zu integrieren.

2) Resilienz im Manufacturing: Szenarienbasierte Planung bis auf Auftragsebene

Resilienz ist 2026 kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein Gestaltungsprinzip moderner Manufacturing-Strategien. S&OP-Prozesse laufen kontinuierlich szenariobasiert und sind eng mit Finance verknüpft. In der kurzfristigen Steuerung verschiebt sich der Fokus klar auf die Auftragsebene.

Priorisierung, Allokation, ATP-Logiken und Transportrestriktionen greifen dort, wo Nachfrage- und Kapazitätsschwankungen entstehen. Planalternativen sind jederzeit verfügbar – nicht als Notfalllösung, sondern als Betriebsstandard.

SAP-Verankerung:
SAP IBP unterstützt den taktischen Planungshorizont mit Versionen und What-if-Simulationen. Order-Based Planning (OBP) ergänzt diese Planung um eine echtzeitfähige Steuerung auf Auftragsebene, insbesondere in Make-to-Order- und Configure-to-Order-Umgebungen.

Weiterlesen: Planung als Führungsinstrument

Wie lassen sich Szenarioplanung, Auftragsebene und Integration von Finance und Supply Chain konkret umsetzen?
Unser Whitepaper zeigt, wie SAP IBP Planung ganzheitlich neu denkt – von der Strategie bis zur operativen Entscheidung.

3) Datenstrategie im Manufacturing: Business Data Fabric statt Datensilos

Viele Initiativen im Smart Manufacturing scheitern nicht an Technologie, sondern an fehlender Datensemantik. Unterschiedliche Begriffe, Granularitäten und Zeitdimensionen verhindern belastbare Analysen. 2026 etabliert sich daher eine Business Data Fabric für Manufacturing, die ERP-, Shopfloor- und Partnerdaten in einem konsistenten Datenraum zusammenführt.

Wenn Werk, Linie, Produkt, Charge und Zeit einheitlich modelliert sind, lassen sich Kennzahlen wie OEE, Termintreue, Kosten, Energieverbrauch und Qualität vergleichbar auswerten – und gezielt für Planung, Steuerung und KI nutzen.

SAP-Verankerung:
Die SAP Business Data Cloud kombiniert SAP Datasphere mit SAP Analytics Cloud und schafft eine einheitliche Datenbasis für Analyse und Planung entlang der gesamten Manufacturing-Wertschöpfung.

4) OT-Security im Manufacturing: Zero Trust und IEC 62443

Mit der zunehmenden Vernetzung von IT und OT steigt das Risiko für Produktionsumgebungen. OT-Security wird 2026 präventiv gedacht: Zero-Trust-Prinzipien, Netzwerksegmentierung, Industrial DMZs und Least-Privilege-Konzepte bilden die Grundlage. Die IEC 62443 dient dabei als zentrale Leitplanke.

Entscheidend ist die Reihenfolge: Governance vor Tooling. Safety-kritische Funktionen bleiben strikt getrennt, Protokollierung und Nachweisbarkeit sind verpflichtend.

SAP-Verankerung:
In Cloud- und Integrationsschichten sorgen Identitäts- und Zugriffsmanagement, Verschlüsselung und Audit-Logging für Sicherheit. Am Shopfloor sichern klar definierte Übergabepunkte die Anbindung von Analyse- und KI-Services ab, ohne Produktionsprozesse zu beeinträchtigen.

5) Nachhaltigkeit im Manufacturing: ESG-Kennzahlen steuern Entscheidungen

Mit CSRD und ESRS wird Nachhaltigkeit 2026 operativ relevant. Energie- und CO₂-Kennzahlen fließen in Beschaffung, Planung und Produktion ein – vorausgesetzt, die Daten sind auditfest und eindeutig zugeordnet.

ESG-Kennzahlen entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie Entscheidungen beeinflussen: bei der Kapazitätsplanung, der Lieferantenauswahl oder der Auftragspriorisierung.

SAP-Verankerung:
Der SAP Sustainability Control Tower integriert ESG-Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen, verknüpft sie mit operativen KPIs und unterstützt eine ESRS-konforme Offenlegung.

Warum Manufacturing 2026 anders ist

Der Unterschied entsteht nicht durch einzelne Technologien, sondern durch integrierte digitale Manufacturing-Architekturen: agentische KI am Shopfloor, szenariobasierte Planung bis auf Auftragsebene, einheitliche Datensemantik, robuste OT-Security und ESG-basierte Steuerung greifen ineinander.

Erfolgreiche Unternehmen setzen dabei auf kontinuierliche Verbesserung statt Big Bang. Manufacturing 2026 ist kein Projekt – sondern Betriebsroutine.

verwandte Inhalte